Freiheit als Utopie

Komposition:
Patrick Frank

Theorielibretto:
Patrick Frank
Lektorat: Serena Schranz
wiss. Beirat: Prof. Dr. Enno Rudolph

Dauer: ca. 35’.
UA: 17.10.2015, Donaueschinger Musiktage, Erich-Kästner Halle, im Rahmen der Theorieoper Freiheit – die eutopische Gesellschaft.

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Projekt Sein – Nichts

Presse

Thomas Meyer, Dissonanz Nr. 85, März 2004
. Musik um Sein und Nichtsein.

Zappenduster wars. Am Ende kehrt man aus der Black Box (War die Musik dort eigentlich zu Ende? Sie klang doch immer noch nach!) in den Konzertraum zurück, in dem man zuvor sass. Der Raum ist wieder intakt, ist hell, nur die Stühle sind umgekehrt, nicht mehr aufs Solistenpodium ausgereicht, sondern auf die erleuchtete Rückwand. Die Leute setzen sich nochmals, richten sich ein, warten, sehen die Wand an, dann einander und schliesslich gehen sie. Ob sie noch applaudieren bei diesem offenen Ende? Vielleicht, aber es ist nicht vorgesehen, nicht wichtig.

Damit kommt das Stück, diese ‚Konzert-Performance‘, zu seinem logischen Ende, das ‚Projekt I‘, Sein/Nichts der ‚Projektreihe für Klangkunst traute‘. Nicht im Dunkel der erloschenen Lichter und der geschlossenen Augen erfährt man das Nichts, sondern erst zenmässig klaren Blicks vor der leeren Wand. Beim Hinausgehen wird einem ein Blatt in die Hand gedrückt, auf dem die Daten zu Erlebtem nachgetragen werden. Von wem die Stücke stammten, die man hörte: von Helmut Öhring (Cayabyab), Gary Berger (zah), Edu Haubensak (Gestes) und Patrick Frank. Wer sie spielte: Rico Gubler, Saxofone; Imke Frank, Violoncello; Sebastian Hofmann, Percussion; Judit Polgar am Gamma-Synthesizer und Gary Berger, Live-electronics. Wer steht dahinter: Michel Schranz, Bühnenbild, und vor allem Patrick Frank, der 1975 geborene Zürcher Komponist, von dem die Idee stammt und der das Ganze realisiert hat.

Zu Beginn hatte man ein ähnliches Blatt erhalten, auf dem Nichts stand. Mit der andert-halbstündigen Performance also hat sich das Blatt mit der Erfahrung gleichsam gefüllt, und diese doppelt gegenläufige Bewegung, hin zur gefüllten Erfahrung, hin zur leeren Wand, macht eigentlich das Wesen von Sein/Nichts aus. In den Worten von Patrick Frank: Das Stück ‚befasst sich mit der Kunstsituation und deren Auflösung auf verschiedenen Ebenen. Ausgehend von der klassischen Konzertsituation – nämlich den Kunstobjekten ‚Interpret‘ und ‚Musikwerk‘ – wird das Objekt im Verlauf der Performance aufgelöst‘.

Es ist der alte Traum der Entgrenzung von Kunst und Musik: Plötzlich öffnet sich die Decke, der Himmel wird über dem Konzertsaal sichtbar, und die Vögel musizieren mit den Orchester-instrumenten. Es ist ein Traum, dass die Kunst aus den ihr vorbehaltenen Räumen ausbricht und mit dem ebenso himmlischen wie irdischen Alltag mischt, auch, dass sie dabei endet und das Hören vielleicht selber zur Kunst, zur Erfüllung wird und nicht mehr so sehr auf ein Objekt gerichtet ist. Dieser Traum wird hier neu dargestellt. Zunächst – mit Öhring – erlebt man eine gewohnte Konzertsituation, dann aber – bei Berger – stürzt die linke Seitenwand um. Ihr Fall ist abgedämpft. Man erschreckt nicht wirklich, ist aber überrascht. Später dann – in Franks erstem Stück für die Situation – gerät die rechte Seitenwand in Schräglage – und deutet an, dass der Fall der ersten kein Unfall war. Nach diesem dritten Stück verschwinden die Musiker, das Podium wird leergeräumt. Was jetzt? In diesem Moment funktioniert die Performance nicht: Eine Stimme bittet aus dem Lautsprecher, das Publikum möge sich bei der beleuchteten Stelle hinausbegeben. Ohne Bühnenanweisung kommt sie also nicht aus; das ist eigentlich schade. An diesem Punkt ist das Ganze nicht so zwingend, als dass das Publikum selber auf diese Lösung käme. (Es ist auch das Manko einer Low-Budget-Produktion, die sich nicht alles leisten kann.)
Von diesem hellen Konzertraum gelangt man nun in die Black-Box, in deren Mitte nur ein leeres Glas steht. Das Publikum setzt sich darum herum, blickt sich an, dann erklingt Musik – Haubensak – von draussen. Eingeschlossen. Die Interpreten: verschwunden. Zur Leere, zum Nichts tendiert die Kunst in dieser Performance: ‚Die Raumsituation um das agierende Kunst-objekt ‚Interpret‘ zerfällt, es selber verschwindet auf visueller und musikalischer Ebene‘, schreibt Frank. Gleichzeitig aber gewinnt das Sein an Intensität, nennen wir es hier, da es um Musik geht: das Hören, die Aufmerksamkeit. ‚Der ‚Zuschauer‘ steht als Mittelpunkt im ansonsten kunstleeren Raum.‘ Er hört Franks eigenes für den Raum.

Allmählich wird es dunkler. Patrick Frank erzählte in einem Gespräch, dass er einst ein Astronomie- und Philosophiestudium begonnen habe, es aber der Musik zuliebe abbrach. Ihn interessierten nicht die Sonne, sondern die endlose Weite des Kosmos. Er studierte in Zürich zunächst Klavier, dann Komposition bei Gerald Bennett und Thomas Müller, jetzt noch Musiktheorie. Etwas freilich von diesen kosmischen Dimensionen – so findet er selbst – steckt auch in seiner Musik, fernab übrigens von jeder Astrologie oder Esoterik. Unter anderem in jenem Gamma-Synthesizer, der, so erzählt er, dem gamma-Faktor der speziellen Relativitätstheorie gemäss gestimmt ist. Das geht schnell ins Extreme.

Ihn interessiert die existenzielle Dimension: Wo bin ich? Wo ist das Sein und das Nichts? Dem spürt er musikalisch nach: künstlerisch-sinnlich. Zwei Jahre hat er an Sein/Nichts gearbeitet, vor- und nachgedacht, Gespräche geführt, weiterentwickelt. Er wagt ein Experiment. Mit der veränderten Konzertsituation soll sich die Wahrnehmung neu orientieren. Im Raum sind die Höhrenden auf sich selbst zurückgeworfen. Das ist nicht ohne Risiko – doch gerade das Risiko, das mit dem ästhetischen Ge- oder Misslingeneine existenzielle Erfahrung birgt, ist in der Neuen Musik vonnöten.

Und nun ist alles dunkel. Nichts für Klaustrophobe. Man hört schliesslich die Klänge von Franks für Nichts – lange elektronische Klänge. Man hört, man weiss um das Sein und das Nichts, die sich hier verwirklichen. Wirklich? Hat auch einige Zweifel, ob es funktioniert? Kehrt eben in den hellen Konzertraum zurück und erfährt gerade hier in diesem Klaren, dass es eben doch funktioniert. Dass die Situation sich aufgehoben hat, das wir Zuhörer zu uns gekommen sind.
Ich geb’s zu: Das klingt alles sehr abgehoben, ist aber eine einfache Erfahrung, die man allerdings erstmals vermitteln muss.

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Konzert-Installation Limina

Dissonanz Nr. 95
Freiheit und Gleichgültigkeit
Andreas Fatton

Patrick Frank Konzertinstallation ‚Limina’ in der Basler Voltahalle 
(19./20. Mai. 2006)

Die Konzertinstallation Limina, als Zusammenarbeit mit der IGNM in der Basler Voltahalle aufgeführt, stellt im Werk des Komponisten Patrick Frank Teil eines grösseren Projektes (projektreihe traute, Teilprojekt limina) dar, das sich künstlerisch und theoretisch mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit der Kunst im weiteren, und deren postmodernen Grenzbereichen von Freiheit und Gleichgültigkeit im engeren Sinne auseinandersetzt. Limina hinterlässt einen wutentbrannt oder im Zustand musikalischer Erleuchtung – keinesfalls aber indifferent. Warum? Weil es einen an einer Stelle trifft, wo man es nicht erwartet. Weil man Strukturen, die über vier Stunden hin angelegt sind, nicht überblicksartig erfasst. Weil man blind und taub in einer ‚black-box’ sitzt und beschallt wird, als hilflose Dechiffriermaschine, die hochkomplexe analytische Aufgaben erwartet, aber ein gleichnishaftes Rätsel gestellt bekommt. Trocken und unvermittelt wird einem der Boden unter den Füssen entzogen: tunlichst nimmt man die angebotenen Sitzkissen mit. Aus vier Räumen setzt sich die begehbare Installation zusammen (Bühnenbild: Michel Schranz, Licht: Markus Brunn). Aus der Konstellation und Verteilung der acht Interpreten (und der Zuhörer) und einer teilweise der Aufmerksamkeit entgleitenden Lichtsteuerung ergeben sich zeitlich-musikalische Überlagerungszustände, die keineswegs nur aleatorischer Natur sind, sondern einem systematischen zeitlichen Konstruktionsplan folgen. Die Aktionsmuster der Lichtflächen folgen in den einzelnen Räumen unterschiedlichen zeitlichen Abläufen, stehen jedoch nach jeweils 68 Minuten in einem identischen Zustand. Diese 68 Minuten beenden damit auch immer einen musikalischen Zyklus, der insgesamt viermal durchgeführt wird. Ausgesprochen gewaltfrei zeigt sich die Musik. Geprägt von Einzelaktionen fügt sie sich durch die akustische Durchlässigkeit der verschiedenen Räume zu einem übergreifenden Klangraum, indem man reflexartig in einem Modus meditativer Rezeption schaltet. Die immer wieder neu formierten Kleinensembles (Klarinette, Schlagzeug, Flöte, Violine, Posaune, Cello sowie ein Synthesizer und Elektronik) lassen sich also aus unterschiedlichen Distanzen anhören, wie sie selbst auch unterschiedliche musikalische Distanzen erzeugen. Eine besondere Stellung im Klangbild nehmen die Einwürfe des Gamma-Synthesizers ein, dessen Klanglichkeit in einer speziellen Spreizskala gehalten ist. Die Polarität verhaltener Liegeklänge zu den Rankenfiguren einzelner Instrumente ist nur scheinbar einfach zu greifen, man sucht während den ersten Wiederholungen nach dem kompositorischen Kern. 
Limina bietet bewusst keine ‚schnell konsumierbare ‚Message’, sondern gezielte Unterfütterung, auf die ein reizgewohnter Zeitgenosse mit Schwindel und Irritation reagiert. Hinzu kommt, dass die ‚Dokumentation’ als theoretisches Fundament in der Form eines Symposium-Bandes erst später publiziert werden soll. Wie sich das von einem Werkjahr der Christoph Delz-Stiftung geförderte Projekt weiter entwickelt, ob die reflexiven Impulse versanden oder nicht, wird sich weisen; es zeugt zumindest von grossem Wagemut.

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Projekt Limina

Werkeinführung/Pressemitteilung

Projekt Limina: Selbstreflexion von Kunst heute
Das Projekt Limina beinhaltet je zwei voneinander getrennte ästhetische (die KONZERT-INSTALLATION LIMINA und ACT) und theoretische (das Symposium und das im Pfau-Verlag erschienene Buch) Auseinandersetzungen mit dem Thema Indifferenz. Es besteht jedoch kein strukturierter Sinnablauf der verschiedenen Bestandteile des Projektes die in einem einheitlichen Ergebnis münden. Vielmehr wohnen die Zuschauer über eine gewisse Dauer einem Ort bei, der das Thema Indifferenz heterogen ins Zentrum rückt. Sowohl das Projekt Limina als Gesamtkonzept als auch die Konzert-Installation Limina als ein Bestandteil des Projektes widerspiegeln und inszenieren Liminalität auf unterschiedlichste Art und Weise. Während der Projektzeit finden Vorträge und Diskussionen von verschiedenen Vertretern aus der Soziologie, Philosophie und der Kunst statt, zu denen parallel Aufführungen (KONZERT-INSTALLATION LIMINA und ACT) stattfinden. 
(Text: Patrick Frank)
Das interdisziplinäre Musikprojekt behandelt durch Musik, Tanz und eine Raum-/Lichtinstallation Themen, die im Zusammenhang mit postmodernen Positionen und vor allem deren Überwindung stehen: Redundanz, Wiederholung, Beliebigkeit. Neben diesem performativen Ereignis finden Diskussions- und Vortragsveranstaltungen statt und erscheint eine Publikation, die sich mit aktuellen Fragestellungen zum Verhältnis von Kunst und Gesellschaft befassen. (Text: Kulturstiftung des Bundes)

ACT
In Act wird heisse Luft produziert. Striptease verschmilzt mit Playback-Concert, Luftgitarrensolo mit Zaubertrick. Zwei Tänzerinnen bauen aus ihren Koffern eine Bühne auf und verführen das Publikum. Die kühle Blonde trifft auf ihr Gegenstück. Eine Ikone reproduziert sich und wird so ihrere Einmaligkeit beraubt. Sie ist in der Synchronität ihres Auftritts in zwei Versionen aufgeteilt und bildet eine Reihe, die sich ins Publikum fortsetzt. In einen Crescendo von musikalischen Versatzstücken streifen sie Oberflächen von sich, ohne sich je ganz zu entblössen.

Die Bühne ist eine Jukebox die ein Musik- und Tanzstück nach dem anderen ausspuckt. Die Hits und Posen reihen sich aneinander und bilden eine Parade, die sich immer schneller ums Publikum dreht. Eine Tanznummer multipliziert sich mit der nächsten, bis ein Produkt der stetigen Überstimulation entsteht, das im unabwendbaren Exzess der Uniformität endet. Um diesen Punkt zu erreichen wird das Publikum mit allen Tricks des Showbusiness angeheizt, vom Hintergrundapplaus bis zur Rauchmaschine wird jede mögliche Form von Einflußnahme durchgespielt.Ziel ist es alltägliche Bewegungen im Rampenlicht derart aufzuladen, dass sie ihre ursprüngliche Bedeutung verlieren und zum reinen Showeffekt werden. Durch die Repetition und Transformation der Bewegungsabläufe wird so die verborgene Unheimlichkeit im Körper freigelegt.

Symposiums-Abstracts

Prof. Dr. Peter Gross
Singuläre Kodes oder kulturelle Vielfalt?
Die Nachwirkungen der Erlösungssemantik in der Kunst.
Die Diskussion über gute Kunst ist geprägt von der Erlösungssemantik. Diese verlangt Definitives, Endgültiges. Noch die Unterordnung ästhetischer Kriterien unter Vermarktungsgesichtspunkte und Preisrekorde wiederspiegelt diese Sachlage. Aber was lässt sich dem Hang zum Prinzipiellen und Endgültigen entgegensetzen?
Prof. Daniel Fueter
Über die Anschauung und das Musikhören
Je vermittelter unser Zugriff auf die Welt wird, je komplexer die Vernetzungen, in den wir uns bewegen, je hilfloser wir uns als Individuen dem Allgemeinen ausgeliefert sehen, desto nötiger ist es, sich der Begegnung mit dem Einzelnen auszusetzen: sei es im Berufsleben oder in den privaten Zusammenhängen, die wir geschaffen haben, und natürlich in den Freiräumen, die unsere Agenden zulassen.

Prof. Isabel Mundry
Welche Musik? Welche Gesellschaft? – einige kreisende Gedanken

Musik ist ein vielfach gesplitterter Begriff. Angesichts der vielfältigen Möglichkeiten, Musik zu inszenieren, zu rezipieren und zu komponieren, könnte man meinen, dass eine verbindliche Verständigung über Musik unmöglich sei und dass jeder kompositorischen Entscheidung der Eindruck von Beliebigkeit anhaften würde. Dennoch komponieren wir und meinen, musikalisch etwas entdecken und aufdecken zu können, was in dieser Weise noch nicht gesagt worden ist und deshalb von möglicher Bedeutung sein könnte. Anhand einiger Takte aus einer eigenen Komposition möchte ich beschreiben, wie sie sich verorten, welche Erfahrungen ihr eingelagert sind, musikgeschichtliche, gegenwärtige, innermusikalische und außermusikalische. Und schließlich will der Vortrag der Frage nachgehen, ob und welche Idee eine Musik von ihren Hörern hat.

Dr. Harry Lehmann
Postmoderne und Indifferenz



Indifferenz war das Zeichen unserer Zeit. Sie definierte in den letzten zwei, drei Jahrzehnten die Tiefengrammatik der westlichen Gesellschaft und diente ihr als Letztbegründung und Abschlußgedanke zugleich. Aber nicht nur in den sozialen Verhaltensmustern, sondern auch in den kulturell wirkungsmächtigen Strömungen der zeitgenössischen Kunst und Philosophie besaß die Idee Konjunktur. Wie läßt es sich erklären, daß gerade dieser Gedanke das historische Bewußtsein faszinieren konnte? Was spricht dafür, daß heutzutage »Indifferenz« als Leitidee ihre Strahlkraft einzubüßen scheint? Wie wirken sich diese Prozesse auf das Selbstverständnis der zeitgenössischen Kunst aus? Und vor allem: Welche Rolle spielte hierbei die ästhetische Indifferenz? Mit diesen Fragen ist der Problemhorizont des Vortrags abgesteckt. Anliegen dieser Untersuchung ist es, zu zeigen, daß »Indifferenz« nicht der Schlußstein aller Aufklärung ist, sondern daß eine Moderne, die selbstreflexiv wird, auch zu diesem ›Wert‹ noch einmal Distanz gewinnen kann. Auch wenn man aus guten Gründen auf Letztbegründungen aller Art verzichtet, so muß man nicht zwangsläufig die ›Indifferenz‹ zu einem positiven Wert verklären, was für das Weltbild der Postmoderne konstitutiv ist. Gefragt sind vielmehr Denkmodelle und Theorieformen, die es erlauben, Indifferenz als Positivwert zu neutralisieren.

Presse

Positionen 71, Mai 07’ – LIMINA: Zur Indifferenz von Kunst – Darja Stocker

In seinem Gesamtkunstwerk LIMINA, das am 16. bis 18. März im Europäischen Zentrum der Künste Hellerau uraufgeführt wurde, befasst sich Patrick Frank mit dem Thema der Indifferenz.

„Wenn alles gleich behandelt wird, verliert man als Künstler seine Identität“, sagt Patrick Frank. Woran soll man sich reiben, wenn alles möglich ist? Ist Kunst beliebig geworden? Dieser Fragen ging er in der Fachliteratur nach, las unter anderem Texte von Peter Gross und Harry Lehmann, die auch an dem zum Projekt gehörenden Symposium teilnahmen. Gäste aus der Soziologie, Philosophie und künstlerischer Berufspraxis referierten hier zum Begriff der Indifferenz. Zugleich sind sie die Autoren des ebenfalls zum Projekt erscheinenden Buches.

Es gehe ihm nicht um Gleichgültigkeit des Einzelnen, sagt Frank, sondern darum, dass fehlende Wertmassstäbe Kommunikationen unmöglich machen. In einer Situation der Indifferenz, in welcher vor allem der Markt die Grenzen setzt, in der alles, was man über ein Kunstwerk sagt, vom Gegenüber als subjektive Wahrnehmung und somit nicht kritisierbar bewertet wird, führt der Meinungsaustausch lediglich zu einem Aneinanderreihen von Statements. Dass diese Muster sich auch in der Kunst widerspiegeln, bestätigte im Symposium die Komponistin Isabel Mundry.

Lösungen kann Frank nicht präsentieren, vielmehr möchte er durch seine Inszenierung der aufeinanderprallenden künstlerischen Ansätze den Diskurs über die Indifferenz ankurbeln: so auch durch die Konzert-Installation LIMINA und das Tanz-Event ACT.

In der hohen weissen Halle stehen verschachtelt schwarze Wände, durch deren Gänge und Räume die ZuschauerInnen sich frei bewegen können. Auf dem Weg begegnet man den InstrumentalistInnen, die, an einer Wand stehend, in einer Nische sitzend Klanglinien erzeugen. Je nachdem, wohin man sich begibt, nimmt man die Musik aus einer anderen Hörperspektive wahr. Von einem Platz zum nächsten gehend erzeugen die BesucherInnen mit dem Geräusch ihrer Schritte ihren Beitrag zum Gesamtklang. Jemand zieht die Schuhe aus, als wäre ihm sein Mitwirken zu dominant geworden. Wer länger an einem Ort verweilt, merkt, wie das Licht seine Intensität verdichtet und wieder reduziert. In den Übergangsphasen ist man verwirrt, weiss nicht, hat man sich an die Dunkelheit gewöhnt, ist es heller geworden, oder hatten die Augen grad mal weggehört? Am deutlichsten wird das Zusammenspiel zwischen Licht, Raum und Musik in der Blackbox. Hier nimmt die Helligkeit ab bis zur absoluten Finsternis, der Klang der Instrumente umrahmt einen gleichmässig. Der abgeschlossene Raum simuliert eine Art Abschottung gegen die Aussenwelt. Ausser in der Blackbox lässt die Installation kaum zu, ins Nirgendwohin abzudriften. Dank ihrer Vielschichtigkeit sorgt die Komposition, dass man aktiv wahrnimmt. Frank inszeniert, was seiner Meinung nachdie grundlegendenVorraussetzungen zur indifferenten Kommunikation ist: Eine Welt, die jede Freiheit zulässt und einem trotzdem ständig zur Wahl auffordert. Jede(r) BesucherIn muss auch für sich entscheiden, ob er /sie zum Tanz-Event ACT hinübergeht oder nicht.

ACT findet zweimalpro Abend im Raum daneben statt. Seine harten Elektro-Bässe dringen zur Konzert-Installation hinüber, ver- und zerstören die Illusion dieser entrückten Welt. Was sich hier abspielt ist „etwas, das beabsichtigt beim Publikum maximale Wirkung zu erzielen, das Publikum mit allen Tricks des Showbusiness anzuheizen, ein Exzess der Uniformität“ (A.Bachzetsis, Projektleiterin ACT) Der neue Begriff des „Popporno“ würde passen, für eine Stripteaseshow, die macht, was der Kapitalismus von der Kunst erwartet: Zu legitimieren, dass Menschen nicht mehr nur in Werbung und Erotikbranche, sondern auch in der Kunst zu Objekten gemacht werden, in dem man sie zu Abbildern von Körpern degradiert. Der Wechsel von der Konzert-Installation zum ACT führt sowohl physisch als auch psychisch zu einem Bruch, den man zum Anlass nehmen kann, über Indifferenz zu diskutieren.

Das Projekt sei wohl gerade deshalb avantgardistisch, weil es mit den Mitteln der Zeit den Diskurs zu eröffnen ersuche, meint der Philosoph Harry Lehmann

Sächsische Zeitung, 19. 3. 07 – Wohltat für die Sinne – Anna Hoben
„Es ist ein Experiment“, hatte der Schweizer Komponist Patrick Frank vor der Dresdner Premiere seiner Konzert-Installation „Limina“ gesagt. Das Experiment ist gelungen. Visuelle, musikalische und räumliche Abläufe bilden ein Gesamtkunstwerk, das im Zuhörer einen Zustand äusserster Konzentration und Wachsamkeit hervorruft.

Schwarze Stoffbahnen durchziehen den Raum im Festspielhaus Hellerau, teilten ihn in mehrere kleine Räume, in denen verteilt die Musiker sitzen. Von Nahem ist der Ton einer Flöte zu hören, aus dem Nebenraum setzt die Klarinette einen Halbton darauf, dann löst sich die Spannung in einer Oktave auf. Von Weitem tönt eine Posaune wie ein Schiffshorn. Zehn Minuten Musik sind beim Cello in einem einzigen Takt notiert. Weil die Dramaturgie so langsam vergeht, spielen die Musiker mit Stoppuhr. Musikalische Strukturen sind auf lange Zeiträume hinweg angelegt, wie auch das Spiel mit Hell und Dunkel. Kaum merklich ändern die Lichtquellen ihre Intensität. Es passiert wirklich nicht viel. Zum Glück, möchte man rufen. Heute haben sich die Sinne an Reizüberflutung gewöhnt. Da ist ‚Limina’ wohltuend für Augen und Ohren.

Mit Sitzkissen ausgestattet durchwandern die Zuhörer und Zuschauer die dunklen Räume, hören das Geschehen mal aus dieser, mal aus jener Perspektive. In der Mitte befindet sich eine sieben mal sieben Meter grosse Black-Box. Mit 20 Wildfremden eine halbe Stunde im Stockdunkeln eingesperrt zu sein, ist vielleicht nicht Jedermanns Sache. Doch intensiviert es die akustische Wahrnehmung.

Dresdner Neueste Nachrichten, 14. 3. 07, Ankündigung – Über die Krise der Künste – Peter Zacher
Konzert-Installation „Limina“, Tanz-Performance „Act“ und Symposium – Vorschau auf ein spannendes Wochenende im Festspielhaus Hellerau

Am Wochenende findet im Europäischen Zentrum der Künste Hellerau ein Projekt mit dem Namen „Limina“ statt. Limina ist der Plural von limen, und limen ist das lateinische Wort für Schwelle, gelegentlich auch Eingang oder Anfang. Angekündigt wird das Ganze als interdisziplinäres Musikprojekt von Patrick Frank. Frank, 1975 in Rio de Janeiro geboren, hat Komposition studiert, sich intensiv mit elektroakustischer und Computermusik befasst und lebt als Komponist und Projektentwerfer in Zürich. Er nennt als zentralen Gedanken von „Limina“ das Problem der „Selbstreflexion von Kunst heute, vor dem Hintergrund, dass eine verbindliche Materialdiskussion nicht mehr existiert und die ästhetische Gegenwart in unüberschaubare Strömungen und Sprachen zerlegt ist.“ Etwas einfacher ausgedrückt bedeutet das, im regellosen Chaos der Künste ein Ordnungsprinzip oder wenigstens eine Orientierungshilfe zu suchen.

Es gibt zwei künstlerische Produkte, zum einen Franks Konzert-Installation „Limina“ mit visuellen, räumlichen, musikalischen und zeitlichen Abläufen, mit Bewegungen im Licht und in der Musik, die jedoch dem Ablauf keinen Sinn geben. Begehbare Übergänge und räume führen nirgendwo hin. Der Besucher kann sich frei bewegen und beliebig lange verweilen. Zum anderen findet eine Tanz-Performance „Act“ statt. Hierzu äussert sich Alexandra Bachzetsis, die im Projekt mitwirkt: „In Act wird heisse Luft produziert. Striptease verschmilzt mit Playback-Konzert, Luftgitarrensolo mit Zaubertrick… Die Bühne ist eine Juke-Box, die ein Musik- und Tanzstück nach dem anderen ausspuckt.“

Ausserdem gibt es in Hellerau ein Symposium, das den brisanten Titel „Beliebigkeit in der zeitgenössischen Kunst“ trägt. Brisant ist es vor allem desshalb, weil Beliebigkeit nur ein anderes Wort für Orientierungslosigkeit der heutigen Künste ist. Referate und offene Diskussionen werden sicher nicht ein ende dieser Beliebigkeit bewirken, aber vielleicht wenigstens Sinn stiftende Akzente setzen.

Förderer

Kulturstiftung des Bundes
Pro Helvetia
Forum Hellerau
Stiftung für Kunst und Kultur der Stadtsparkasse Dresden
STEO-Stiftung
Artephila

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The Law of Quality

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Wir sind aussergewöhnlich

 

Zum Aussergewöhnlichen

Eine Einleitung (2010)

Die Thesen zum Aussergewöhnlichen erarbeitete Patrick Frank zusammen mit dem Philosophen Harry Lehmann.

Patrick Frank

Das Aussergewöhnliche verstehen wir im vorliegenden Projekt als kulturtheoretisches Beschreibungsmodell. Wir gehen von der Annahme aus, dass den gesellschaftlichen, heterogenen Entwicklungen und Strömungen, beispielsweise in der Kunst, gemeinsame Orientierungen zu Grunde liegen. Die Kunst einer Zeit widerspiegelt den „Geist“ dieser Zeit. Mit dem Begriff des Aussergewöhnlichen versuchen wir diesen Geist – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – zu beschreiben: Was war das Aussergewöhnliche, was ist es heute? In den untersuchten Zeitraum von der Romantik bis heute konnten wir drei grosse Umbrüche feststellen. Wir bezeichnen sie als das Aussergewöhnliche als Absolutes, das Aussergewöhnliche als Neues und die Massenkultur des Aussergewöhnlichen.

In der Romantik war der Orientierungspunkt das Absolute – alle spezifisch romantischen Auslegungen, die Liebe, das Fernweh, die Natur, die Irrationalität, das allgemeine Begehren der Erhabenheit, usw., fanden im Absoluten ihren gemeinsamen Sinn. Das Absolute war nicht nur sinnstiftend für die Musik oder für die Literatur, sie war ‚Avantgarde’ der romantischen Kultur im Allgemeinen. Auf die kürzeste Formal gebracht heisst es: In der Romantik war das Aussergewöhnliche das Absolute.

Das Absolute ist ein metaphysischer Glaube, der im Jahrhundert der Säkularisierung an Bedeutung verlor. Bildhaft gesprochen verschwand der metaphysische Himmel über der Erde und damit Gott und seine funktionalen Äquivalente. Der Mensch wurde sein eigener Gott (Nietzsche: Übermensch). Er war nun selbstbewusst genug, um sein Schicksal nicht mehr einer höheren Instanz zu übertragen, sondern selbst in die Hand zu nehmen.
Dies selbstbewusste Anpacken zog eine Dynamik nach sich, die in der Innovation, im Fortschritt und im Neuen den aktualisierten Orientierungspunkt fand. Das Aussergewöhnliche war nicht mehr das Absolute, das Aussergewöhnliche war nunmehr das Neue:

„Wenn sich die Moderne als das Zeitalter der Überwindung definiert, als Zeitalter des Neuen, das veraltet und umgehend von einer neueren Neuigkeit ersetzt wird, und zwar in einer unaufhaltsamen Bewegung, die jegliche Kreativität im gleichen Moment entmutigt, in dem sie sie als einzige Lebensform verlangt und auferlegt–, wenn dem so ist, dann kann man die Moderne nicht verlassen, indem man sie zu überwinden gedenkt.“ (Gianni Vattimo, Das Ende der Moderne.)

Kann sich das Neue ewig erneuern? Oder wird auch das Neue irgendwann müde? Die Geschichte lehrt uns: ja. In der Postmoderne erschöpfte sich das Neue. In den Künsten wurden alle Grenzen gesprengt, alle Tabus gebrochen – das Zeitalter des anything goes brach an. Wie reagiert eine Kultur, in der alles möglich erscheint (Toyota: Nichts ist unmöglich)? J. Baudrillard beschreibt sie als die ekstatische Gesellschaft, deren vordringlichstes Merkmal der Schein ist. Eine Steigerung ist nur noch als Schein einer Steigerung möglich, als ein ‚so-tun-als-ob’. Scheinhaftigkeit zeichnet sich durch qualitative Indifferenz aus. Damit ist gemeint, dass auf der inhaltlichen (qualitativen) Ebene Unterschiede irrelevant sind (anything goes) und stattdessen Quantität das Vakuum der Qualität ersetzt. Da qualitative Aussergewöhnlichkeit nicht mehr festzustellen ist, wird die Quantität zum neuen Instrument der Differenz. Quantität = Qualität lautet die Formel, mit der die ekstatische Gesellschaft effizient abermillionen indifferente Informationen verarbeiten kann. Darunter zu leiden haben diejenigen kulturellen Leistungen, die nicht quantitativer, sondern qualitativer Natur sind: beispielsweise die Kunst oder die Geisteswissenschaften. Mit dem Zwang zur quantitativen Logik wird auch die Kunst in den Sog des Scheins gezogen. Die Massenkultur des Aussergewöhnlichen ist das Bild einer entfesselten, möglichkeitsüberfluteten Gesellschaft im manischen Kampf um Differenz.

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Wir sind aussergewöhnlich II

eine Koproduktion mit dem HELLERAU – Europäischen Zentrum der Künste Dresden.
Gefördert von der Stadt Zürich, Kanton Zürich, Pro Helvetia, Artephila, Schweizerische Interpretenstiftung.

Uraufführung am 20.3.2014, Gessnerallee, Zürich
Weitere Aufführungen: 21.3. und 22.3.2014

Die Postmoderne und ihr ‚anything goes’ sind vorbei. Was folgt? Im Projekt ‚wir sind aussergewöhnlich’ blicken wir unter die allgegenwärtigen Krisenschlagzeilen. In 3 Akten mit den Themen ‚Quantifizierung’, ‚Populismus’ und ‚Subversion’ inszenieren wir in musikalischer und theoretischer Sprache Gegenwartsdiagnose.

1. Quantifizierung // 2. Populismus // 3. Subversion

Musik:
the law of quality // i_love_you (UA) // Subversion 2 (UA) // Robert Schumann // und die erfolgreichsten KomponistInnen und Musiker aller Zeiten.

Künstlerische Leitung, Komposition:
Patrick Frank

Politiker:
Moritz Leuenberger

Philosoph:
Prof. Enno Rudolph

Regie:
Gian Manuel Rau

Klavier:
Judit Polgar

Gesang:
Jakob Pilgram

Klangregie:
Jürg Lindenberg

Lichtgestaltung:
Markus Brunn

Video:
David Rittershaus
Sprechchor:
N.N.

Eine Gesellschaft, die ausschliesslich qualifiziert, explodiert im Totalitarismus.
Eine Gesellschaft, die ausschliesslich quantifiziert, implodiert im Populismus.

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Freiheit – die eutopische Gesellschaft I

eine Kuratorenkomposition und Theorieoper

Von der Utopie in die Eutopie. Von der Objektivierung der Quantitäten und der Relativierung der Qualitäten.

im Auftrag des Donaueschinger Musikfestivals SWR

Uraufführung 17.10.2015, 15h – 19.30h, Donaueschingen, Erich Kästner-Halle

Weitere Aufführungen:
13. Februar 2016, Gessnerallee Zürich – mit Salvoj Zizek.
Herbst 2016, Genf (Ort noch zu bestimmen)

Ouvertüre
1. Akt: Freiheit als Utopie

1. Szene: Patrick Frank: Freiheit als Utopie für 3 Sprecher, Ensemble, Video, Zuspielung und live Elektronik
2. Szene: Prof. Enno Rudolph: Die Vernunft – Zuchthaus der Freiheit?
3. Szene: Trond Reinholdtsen: Episode 6 für Ensemble und Video

Pause
Daniel Hellmann: Full Service
Bier und Wurst

2. Akt: Freiheit in Eutopie
1. Szene: Patrick Frank: Freiheit in Eutopie für 3 Sprecher, Ensemble, Video, Zuspielung und live Elektronik
2. Szene: Otfried Höffe: Scheitert die Freiheit? Zur Kritik der Moderne
3. Szene: Martin Schüttler: absolut return + ALPHA für Ensemble, Zuspielung und live Elektronik UND (parallel): Emanuel Schiwow: Freiheitsrechte

3. Akt: Freiheit in Dystopie?
Podiumsdiskussion mit Patrick Frank, Martin Schüttler, Trond Reinholdtsen, Enno Rudolph, Otfried Höffe. Moderation: Malte Scholz.
Daniel Hellmann: Full Service

Teilnehmende Künstler und Theoretiker
Patrick Frank: künstlerische Leitung, Konzept, Komposition, Theorielibretto
Prof. Enno Rudolph: wissenschaftliche Beratung
Serena Schranz: künstlerische Assistenz und Lektorat
Trond Reinholdtsen: Komposition
Martin Schüttler: Komposition
Leni Schnelle: Produktion

Ensemble Contrechamps (Pno, Perc, Trp, Pos, Vla, Vl, Vlc)
Daniel Hellmann: Performance (Full Service)
Roberto Guerra: Sprecher
Martin Scholz: Sprecher
Susanne Abelein: Sprecherin

Michel Schranz: Bühne
Jürg Lindenberg: Klangregie und Elektronik
David Rittershaus: Video und Recherche
Markus Brunn: Licht

Prof. Dr. em. Enno Rudolph: Philosoph (Donaueschingen)
Prof. Dr. Otfried Höffe: Philosoph (Donaueschingen)
Prof. Slavoj Zizek: Philosoph (Zürich)
Emanuel Schiwow: Jurist (Donaueschingen, Zürich)

1. Akt, 1. Szene
Patrick Frank: Freiheit als Utopie
für 3 Sprecher, Ensemble, Video, Zuspielung und live Elektronik.
Ein Theoriehörspiel

Die theoretische Geschichte:
1. Das paulinische Christentum und die Erfindung der Mission: die Geburt des Sendungsbewusstseins, DNA der westlichen Kultur.
2. Die positive und die negative Freiheit.
3. Moderne Zukunft und die Geburt der gesellschaftlichen Utopie ‚Freiheit’.
4. Instrumentelle Vernunft und Rationalisierung: die Geburt der Leistungsgesellschaft aus dem Geist der Freiheit.

Werk im Werk: we should fight on the beaches für Ensemble, 3 Performer, Video und Zuspielung.

2. Akt, 1. Szene
Patrick Frank: Freiheit in Eutopie
für 3 Sprecher, Ensemble, Video, Zuspielung und live Elektronik.
Eine musikalische Theorieperformance

0. Bevor es beginnt.
1. Eutopie: Datierung und Definition.
2. Freiheitsbeweise

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Freiheit – die eutopische Gesellschaft II

eine Kuratorenkomposition und Theorieoper
Von der Utopie in die Eutopie. Von der Objektivierung der Quantitäten und der Relativierung der Qualitäten.

im Auftrag des Donaueschinger Musikfestivals SWR, in Koproduktion mit der Gessnerallee Zürich

Uraufführung 13.2.2016, Gessnerallee, Zürich

Ouvertüre
1. Akt: Freiheit als Utopie

1. Szene: Patrick Frank: Freiheit als Utopie für 3 Sprecher, Ensemble, Video, Zuspielung und live Elektronik
2. Szene: Lukas Bärfuss: Vortrag
3. Szene: Trond Reinholdtsen: Episode 6 für Ensemble und Video

Pause

2. Akt: Freiheit in Eutopie
1. Szene: Patrick Frank: Freiheit in Eutopie für 3 Sprecher, Ensemble, Video, Zuspielung und live Elektronik
2. Szene: Slavoj Zizek: Vortrag
3. Szene: Martin Schüttler: absolut return + ALPHA für Ensemble, Zuspielung und live Elektronik UND (parallel): Emanuel Schiwow: Freiheitsrechte

Teilnehmende Künstler und Theoretiker
Patrick Frank: künstlerische Leitung, Konzept, Komposition, Theorielibretto
Prof. Enno Rudolph: wissenschaftliche Beratung
Serena Schranz: künstlerische Assistenz und Lektorat
Trond Reinholdtsen: Komposition
Martin Schüttler: Komposition

Prof. Slavoj Zizek: Philosoph
Lukas Bärfuss: Literat

Ensemble Contrechamps (Pno, Perc, Trp, Pos, Vla, Vl, Vlc)
Roberto Guerra: Sprecher
Martin Scholz: Sprecher
Susanne Abelein: Sprecherin

Michel Schranz: Bühne
Jürg Lindenberg: Klangregie und Elektronik
David Rittershaus: Video und Recherche
Markus Brunn: Licht

1. Akt, 1. Szene
Patrick Frank: Freiheit als Utopie
für 3 Sprecher, Ensemble, Video, Zuspielung und live Elektronik.
Ein Theoriehörspiel

Die theoretische Geschichte:
1. Das paulinische Christentum und die Erfindung der Mission: die Geburt des Sendungsbewusstseins, DNA der westlichen Kultur.
2. Die positive und die negative Freiheit.
3. Moderne Zukunft und die Geburt der gesellschaftlichen Utopie ‚Freiheit’.
4. Instrumentelle Vernunft und Rationalisierung: die Geburt der Leistungsgesellschaft aus dem Geist der Freiheit.

Werk im Werk: we should fight on the beaches für Ensemble, 3 Performer, Video und Zuspielung.

2. Akt, 1. Szene
Patrick Frank: Freiheit in Eutopie
für 3 Sprecher, Ensemble, Video, Zuspielung und live Elektronik.
Eine musikalische Theorieperformance

0. Bevor es beginnt.
1. Eutopie: Datierung und Definition.
2. Freiheitsbeweise

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Der schalltote Raum

Presse

NZZ, 20.3.06 
Verknüpfungen
Uraufführung von Patrick Frank durch die Camerata Zürich
Alfred Zimmerlin

azn. Welche historischen und ästhetischen Distanzen bestehen zwischen 
Domenico Cimarosas Ouverture „I traci amanti“, Mozarts Ouverture zu „La
finta giardiniera“ und dem zwischen ihnen als Uraufführung erklingenden 
Stück „Der schalltote Raum“ von Patrick Frank (geb. 1975). Und doch finden 
sie alle im selben Konzert der Camerata Zürich unter der Leitung von Marc
 Kissóczy, im selben Raum, dem Radiostudio Zürich, statt und sind Gegenwart 
für ein Publikum von heute. Frank thematisiert dies in seinem Werk. Da wird
 zunächst zart, später immer handfester der Raum erforscht, in dem das 
Konzert stattfindet. Mit einem einzigen Ton (dem zweigestrichenen e), der 
vom auf der ganzen Breite der Bühne mehr oder weniger symmetrisch placier
ten Streichorchester farblich und räumlich ausgelotet wird. Genau an dem 
dramaturgischen Punkt, wo die Musik im Grunde von diesem einen Ton nicht 
mehr weg kann, stürzt das Orchester gleichsam in die Tiefe und schweigt. Und
 von draussen meint man Bläser Mozart üben zu hören – das im Konzert nach
folgende Stück. Die Überraschung ist perfekt, und die so ausgelöste Irritation 
lässt einen das gegenwärtige Nebeneinander von Alt und Neu bewusst erleben.
 Erneut setzen die Streicher mit „ihrem“ Ton ein, doch diesmal aus der Tiefe, 
denn jetzt haben sie auch den ganzen Tonraum besetzen können. Die Irritation 
passiert jetzt in der Farbe: Plötzlich dringen von rechts, von links auch Oboenklänge an das Ohr. Es setzt gleichsam eine Art „Konzertieren“ ein, zwischen den 
Oboen, den Streichern und dem von aussen eindringenden Mozart, bis die Streicher 
schliesslich das Geschehen ganz in einem alles aufsaugenden Klang aufgehen 
lassen. Ein tolles Stück, nach dem man Mozarts „Finta giardiniera“ und die ganze 
zweite Konzerthälfte anders hört. Die brachte das etwas gar larmoyante Konzert für 
Violine und Streichorchester des Armeniers Tigran Manssurjan, das allerdings von 
der jungen Geigerin Chouchane Siranossian phantastisch interpretiert wurde. Zum 
Schluss gab es Joseph Haydns Sinfonie Nr. 80, d-Moll: Frecher kann auch Patrick 
Frank nicht komponieren, und die Camerata Zürich und Marc Kissóczy brachten 
das Werk wunderbar, mit der nötigen Unverschämtheit.
Zürich, Radiostudio, 19. März.

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