Studie I zum Jetzt-Möglichen

Auftragswerk für das Tonkünstlerfest.
für Bassklarinette, Violine, Violoncello, Kontrabass.
Uraufgeführt am UA 25.5.08, Schweizerisches Tonkünstlerfest
Weitere Aufführung: 13. 6. 2010 anlässlich der Übergabe des Zolliker Kunstpreises.

Ausführende: David Sonton-Caflisch, Violine, Martin Sonderegger, Bassklarinette, Martin Jaggi, Cello, Daniel Sailer, Kontrabass

Presse

Dissonanz 103, S. 41
Zickzack-Kurs durch die Zeiten

: Das 108. Tonkünstlerfest in Graubünden (24./25. Mai 2008) Michael Kunkel
(…) Hellhörig machte die Uraufführung von Patrick Franks Studie I zum Jetzt-Möglichen für Violine, Bassklarinette, Violoncello und Kontrabass: Wesentlich für diesen Komponisten ist nicht einfach das Erschaffen von Werken, sondern das Reflektieren und Ausloten kulturphilosophischer Fragestellungen mittels Kunst. Wer Franks Musik der letzten Jahre kennt, weiss, dass konsequentes Durchdenken der gesellschaftlichen und philosophischen Bedingungen zum Musikschaffen an und über Grenzen hinaus, mithin ins Klangvakuum führen kann. Die Fragestellung des aktuellen Werks kreist erklärtermassen um die vermeintliche Freiheit des postmodernen Künstlers nach Erschöpfung modernistischer Negativitätsdynamik. Wie ist das Verhältnis eines Komponisten von heute zu den Tabus von gestern? Franks Studie zeigt, dass Terzen, Skalen, periodische Rhythmen und andere Klangphänomene, die längst durch das läuternde Feuer modernistischer Diskurse gegangen sind, heute tatsächlich <möglich>sind. Dies ist keine brandneue Erkenntnis, die Zeit der ersten Konsonanzlaboratorien und Tabubrüche liegt schon Jahrzehnte zurück. Was Frank hingegen beweist, ist, dass kompositorische Ansätze (noch immer) von kritischem und wachem Bewusstsein profitieren können. Dieses Stück ist keineswegs übermässig belastet durch die Umständlichkeit poststrukturalistischer Diskurse, sondern weist so etwas wie einen musikantischen Gestus malgré lui auf. Das Auseinanderklaffen von kulturphilosophischem Überbau und ästhetischer Erfahrung ist nicht unbedingt zu beklagen. Es scheint, als würde hier ein Künstler ein theoretisch postuliertes Freiheitsmoment unmittelbar zu ergreifen versuchen.

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