Subversion, Version I

bildschirmfoto-2013-01-25-um-010448_v2 bildschirmfoto-2013-01-25-um-011542

«
»

Komposition/Performance für das Projekt ‚wir sind aussergewöhnlich‘.

für Gesang, Klavier, Licht, Tape, Videoprojektionen, Regisseur, Videoregisseur, Lichtregisseur, Klangregisseur, Komponist.
Dauer: ca. 20’.
Uraufgeführt am 19.1.2013, Sophiensaele, Berlin.

Ausführende

Tenor: Jakob Pilgram
Klavier: Judit Polgar

Komponist: Patrick Frank
Regisseur: Gian Manuel Rau
Klangregisseur: Jürg Lindenberg
Videoregisseur: David Rittershaus
Lichtregisseur: Markus Brunn

Text:
Wirtschaftskrise, Konjunkturkrise, Euro-Krise, Finanzkrise, Bankenkrise, subprime-Krise, Währungskrise, Griechenland-Krise, Regierungskrise in Griechenland, Krise der Demokratie, Krise des Bürgertums, Staatsschuldenkrise, Zeitungskrise, Immobilienkrise, (Humanismuskrise), Identitätskrise, Bildungskrise.

Die Freiheit der Quantitäten

Das metastasenartige Wachstum quantitativen Denkens und quantitativer Moral beschert der Gesellschaft nie enden wollende Glücksversprechen.

Quantitäten und ihre Spielplätze:

Des Kapitalismus’ liebster Spielplatz ist der Pluralismus – seine Märkte pluralisieren explosionsartig.

Je grösser die errungenen Quantitäten eines Individuums, desto individueller ist es. Wer keine Quantitäten vorzuweisen hat, wird vom Individualisierungsmarkt scheinindividualisert und geduldig dem Quantitätskreislauf eingefügt.

Wir sind die Paradoxie der Moderne: Je mehr Individualismus, desto stärker das weisse Rauschen; je stärker das weisse Rauschen, desto populistischer die Politik, die Kunst, die Wissenschaft – desto populistischer unsere Lebenswelt.

Was ist unsere populistische Lebenswelt?

Harry Lehmann sagt:
In einer Gesellschaft, die den Pluralismus zur Weltanschauung erhebt, bewegt sich die Individualisierung in die Extreme. Der Mensch findet nur noch zu sich selbst, wenn er sich von allen anderen unterscheidet. Sei unvergleichbar! lautet die Devise. Versuche, außergewöhnlich zu sein!

Seeßlen sagt:
Immer mehr wird kommuniziert, dass nichts kommuniziert wird.

Baudrillard sagt:
Immer dort, wo nichts mehr ist, bildet sich eine Art Überfülle.

Quantifizierungspopulismus.

Qualifizierungspopulismus.

Eine Gesellschaft, die ausschliesslich qualifiziert, explodiert im Faschismus.
Eine Gesellschaft, die ausschliesslich quantifiziert, implodiert im Populismus.

Baudrillard sagt:
Jedes System, dass sich einer perfekten Operationalität annähert, ist seinem Untergang nahe. Wenn das System sagt: ‚A ist A’ oder 2+2 = 4, geht es zugleich seiner absoluten Macht und einer totalen Lächerlichkeit entgegen, d.h. einer unmittelbaren und zu erwartenden Subversion.

UP